Kolonne mit Schaugläsern und Thermometer

Mythos Brennen

Eine geistige Rundreise
Lassen Sie sich in die hohe Kunst des „Brennens“ einweisen, erleben Sie woher und wie die Wachauer Marille in die Flasche kommt, spüren Sie das Schnaps nicht gleich Schnaps ist. Genießen Sie ein Stück geistige Kultur.

Der Degustierraum mit direktem Blick auf die Brennerei bietet Platz für 50 Personen. Dieser ist für Reisegruppen, Urlauber, Feiern und Fachexkursionen für Verkostungen buchbar.

Dauer

ca.1,5 Stunden

Kosten

€ 6,00/Erwachsenen inkl. 3 Kostproben

Spezielle Verkostungen

  • Edelbrand & Schoko
  • Edelbrand & Käse
  • Edelbrand & Brot
  • Workshop: Cocktails mit Edelbrand

Destillation mit langer Geschichte

Brennen nach strengen Regeln
Wer das Destillationsverfahren erfunden hat, weiß die Geschichte nicht genau zu berichten. Bekannt war die Herstellung von hochprozentigem Alkohol aber gewiss schon im Altertum. Perfektioniert wurde die Schnaps- und Likörproduktion von den Mönchen des Mittelalters. In der Industrialisierung verkam Schnaps zur Droge der Arbeiterschicht und wurde zum gesellschaftlichen Problem. Heute kennt die Sortenvielfalt keine Grenzen mehr und edle Tropfen sind zu begehrten Luxusartikeln geworden.

Arrak – die älteste Spirituose

Es wird angenommen, dass der aus Indien stammende Arrak zu den ältesten Spirituosen der Welt zählt und mit einer Art Destillationsverfahren etwa in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. in der Region um Ost Indien erfunden wurde. Arrak wurde aus Reismaische gebrannt.

Branntwein – brennendes Wasser

Man vermutet, dass die Destillation von Wein zur Herstellung hochprozentiger Branntwein größerem Maßstab zuerst um etwa 1000 n. Chr. im Gebiet der heutigen Türkei betrieben wurde. Die Alchemisten des Mittelalters verbesserten die Kühlleistung der verwendeten Apparaturen und damit die Ausbeute, indem sie sehr lange Kühlrohre verwendeten. Die damit erzielten Alkoholprodukte wurden aqua ardens, „brennendes Wasser“, genannt;

Aqua Vita – Lebenswasser

Der griechische Arzt und Gelehrte Hippokrates, der circa von 460 bis 377 vor Christi Geburt lebte, wusste um die Existenz eines bestimmten berauschenden Stoffes im Wein, kannte aber noch kein Verfahren, um diesen zu isolieren.Auch aus China, im Zeitalter der Tang-Dynastie, zwischen 906 bis 618 vor Christi Geburt, und aus dem arabischen Kulturbereich um das Jahr 900 gibt es Aufzeichnungen, die belegen, dass sich die Menschen damals mit dem Destillationsverfahren beschäftigten.
Mit kirchlichen Weihen kümmerte man sich hingegen in vielen Klöstern um die Technik des Brennens. Dabei ging es am Anfang vorrangig um die Herstellung von Heilmitteln. Aus dieser Zeit stammt auch die lat. Bezeichnung „Aqua Vita“, auf Deutsch „Lebenswasser“ oder „Lebenselixier“.

Interessanterweise stammt auch das Wort Alkohol (al khol) aus dem arabischen Sprachraum und bezeichnet etwas Reines und besonders Feines. Im Zusammenhang mit Hochprozentigem wurde es allerdings zum ersten Mal Anfang des 16. Jahrhunderts vom Arzt und Philosophen Paracelsus angewendet. Er stellte Branntwein her, um ihn für sein spezielles Heilverfahren zu verwenden.

Die Menschen des Mittelalters waren fasziniert von diesem Stoff, den sie allerdings nur durch schwierige Verfahren gewinnen konnten. Alkohol sah aus wie Wasser, war aber in hoher Konzentration äußerst brennbar. Hinzu kam die heilende, keimtötende, konservierende und auch berauschende Wirkung, die Alkohol hatte.

Genever – Gin

In der Tat liegt der Grad zwischen Genuss- und Heilmittel bei Gin äußerst nah beieinander. Bereits um das Jahr 1.000 nach Christus gibt es erste Belege von medizinischen Experimenten mit Alkohol und Wacholder. Bis heute weiß man Wacholder als Mittel für die Verdauung, im Harn-Bereich und gegen Sodbrennen einzusetzen. Auch gegen Gicht und Rheuma ist Wacholder ein gern gesehenes Heilmittel.
Nennenswert ist hier vor allem der Arzt Franziskus de la Boë, den viele als „Urvater des Gins“ bezeichnen. Er hatte einen Wacholderschnaps namens Genever erfunden, um ein Mittel gegen Magenbeschwerden zur Hand zu haben. Allerdings war dieser von seinen Patienten weniger zu medizinischen Zwecken, denn als schmackhaftes Genussmittel genutzt worden, sodass der Genever in den Niederlanden als schmackhafter Wacholderschnaps Einzug gehalten hatte.

Während den umtriebigen Zeiten des spanisch-holländischen Krieges (1568-1648) hatten die anglikanischen Engländer die Niederländer gegen die katholischen Spanier unterstützt. Gleichzeitig waren Sie dabei mit dem damaligen Genever in Verbindung gekommen und hatten Gefallen daran gefunden. Als Wilhelm von Oranien-Nassau 1689 den Thron von England bestieg, gelangte der Gin in England zu noch größerer Popularität und aus Genever wurde alsbald das einfachere „Gin“.

Gin erhält seinen charakteristischen Geschmack aus der Aromatisierung mit Gewürzen, darunter vor allem der Wacholderbeere, und ist Hauptbestandteil vieler Cocktails.

Gin Tonic galt als der Lieblingsdrink der Queen Mum (1900–2002).

Wodka – Wässerchen

Im 14. Jahrhundert wurde die erste wodkaartige Spirituose aus Getreide gebrannt. Es ist unklar, ob dies in Polen oder Russland geschah. Beide Länder beanspruchen die Erfindung für sich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit entstand die heutige Art der Wodkaherstellung evolutionär und dank der in beiden agrarisch geprägten Länder hohen Überflusses an Roggen. Der erste amtliche Eintrag über die Herstellung eines Wodkas stammt von 1405 aus Sandomierz im damaligen Königreich Polen.

Wodka (aus dem Slawischen, russ. wodka/водка oder poln. wódka; Diminutiv von woda für Wasser, sprichWässerchen) ist eine meist farblose Spirituose mit einem Alkoholgehalt von idealerweise 40 Volumenprozent.
Er zeichnet sich besonders durch seinen fast neutralen Geschmack aus. Er wird entweder pur getrunken oder in Cocktails vermischt.

Whiskey – Wasser des Lebens

Das Wort Whiskey kommt aus dem Gälischen, ursprünglich hieß das Getränk „uisgebaugh“, was „Wasser des Lebens“. Spricht ein Engländer das gälische Wort aus, klingt es wie Wys-ger-baw – Whiskey.

Whisky (in Irland und in den USA überwiegend Whiskey) ist eine durch Destillation aus Getreidemaische gewonnene und mindestens drei Jahre im Holzfass gereifte Spirituose.

Bislang steht nicht fest, ob Schottland oder Irland das Ursprungsland des Whiskys ist. Einer Legende nach waren die Kelten die ersten, die eine wasserklare Flüssigkeit destillierten – das aqua vitae oder uisge beatha. 1494 wurden aquavite zum ersten Mal urkundlich in den schottischen Steuerunterlagen erwähnt.

Billige Droge und Prohibition

Über die Jahre wurden die Destillationsapparaturen immer weiter verbessert. Damit einher gingen im 17. und 18. Jahrhundert die ständig steigende Produktion und der steigende Konsum von Branntwein und Kornbränden.

Man nutzte die enthemmende Wirkung der hochprozentigen Brände sogar zu Kriegszwecken. Vor den Schlachten flößte man den Soldaten Schnaps ein. Der Alkohol sollte ihnen Mut machen. Berauscht wurden sie so zu blutrünstigen Kämpfern, die weder auf ihr eigenes noch auf das Leben des Feindes Rücksicht nahmen. Eine „Strategie“, die sich lange gehalten hat.

Zu einer hohen Missbrauchsrate von hochprozentigen Getränken kam es mit dem Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert: Alkohol wurde zur billigen Droge der Arbeiterschicht und damit zum gesellschaftlichen Problem. Immer mehr Menschen versuchten dem harten Alltag und den Sorgen zu entfliehen. Doch der Rausch brachte keine Lösung, sondern den vollkommenen sozialen Abstieg.

Durch Besteuerung, Verbote und gesundheitliche Aufklärung versuchten die staatlichen Behörden entgegenzuwirken. In den USA kam es in den 1920er Jahren zum Totalverbot, zur Prohibition. Zu dieser Zeit blühte der Schwarzmarkt mit Alkohol und machte den Mafiaboss Al Capone zum Millionär.

Brennen nach strengen Regeln

Etwa zur gleichen Zeit wurde in Österreich und Deutschland im Jahr 1922 das Branntweinmonopolgesetz erlassen. Mit dem Gesetz versucht man die Herstellung von Alkohol zu kontrollieren und einzuschränken. Geregelt werden darin nicht nur die für Alkohol fällige Steuerhöhe, sondern auch Produktionsmengen und die Vergabe von Brennrechten. Überwachende Behörde ist das Zollamt.

Strengen Bestimmungen, zum Teil auf EU-Ebene, unterliegen auch Beigabe von Zucker und Farbstoff, Mindest- und Höchstalkoholanteil, Sorten und Herkunftsbezeichnungen.
Dem nach darf zum Beispiel nur der „Wachauer Marillenbrand“ so genannt werden, der auch wirklich in dieser Region aus Wachauer Marillen hergestellt wird.

Heute kennt die Sortenvielfalt keine Grenzen mehr und edlen Tropfen sind zu begehrten Luxusartikeln geworden.

Die Abgabe von alkoholischen Getränken an Minderjährigen ist verboten! Spirituosen dürfen daher von Minderjährigen nicht bestellt werden!