Hummel auf einem Zweig während der Marillenblüte

Expedition ins Reich der Marille

Woher kamen sie? Wie gedeihen sie? Was wird aus ihnen?
Antworten auf diese und viele andere Fragen zur Königsdisziplin des Obstbaues erfahren Sie bei einer Besichtigung unserer Marillenkultur. Kulinarisch lernen Sie die Marille in der Schnapsothek am Wachauer BrennEselHof kennen.

Dauer der Expedition

Ca. 1,5 Stunden inkl. Verkostung und Besuch der Wachauer BrennEselWelt.

Kosten

Ab 10 Personen € 6,00/Person
inklusive 3 Kostproben von der Wachauer Marille

Eine asiatische Schönheit

Aprikose, Marille, Maryln

Woher kamen sie?

Die Marille (Aprikose) war in Armenien schon in der Antike bekannt und wird dort schon so lange angebaut, dass häufig angenommen wird, dass dies ihre ursprüngliche Heimat sei. Der botanische Name „Prunus armeniaca“ leitet sich aus dieser Annahme ab. Eine archäologische Ausgrabung in Armenien fand Aprikosenkerne in einer Fundstätte der Kupfersteinzeit. Andere Quellen lokalisieren den genetischen Ursprung in China wo man zahlreiche Wildarten in den Bergen rund um Peking fand, und wiederum andere Quellen besagen, dass die Marille zuerst in Indien um 3.000 vor Christus kultiviert worden sei.

Bereits 2198 v.Chr. wurde in dem Kaiser Yü zugeschriebenen Werk „Shan-hai-king“ der chinesische Name „Sing“, der die Marille bezeichnet, erwähnt.

Die Marillen gelangten über Chinesisch-Turkestan nach Westen, nach Mittel- und Vorderasien, Armenien, Syrien, Griechenland, Italien und die übrigen Länder des Mittelmeeres und Europas. Der Ausbreitungsweg in Westeuropa dürfte über Italien, Spanien, Frankreich erfolgt sein, während die Donauländer nach neueren Forschungen die Marille über den Pontus und den Donauweg erhielten. Damit wäre die alte, bisher geltende Meinung, dass wir unsere Obst- und Weinkulturen von den Römern erhalten haben, hinfällig.

Der Name Marille:
Der bisher älteste Nachweis für den Ausdruck Marille im Donaugebiet findet sich in einer Briefsammlung des Starhembergischen Archives in Eferding bei Linz. In einem Brief vom 23.7.1509 taucht der Name „Maryln“ auf.
Meister Ortulf vom Baierland (zwischen 1390 – 1439) nennt in seinem Arzneibuch die Frucht „Amarellen“.
Aus dem Französischen „abricot“ dringt der Name „Aprikose“ nach West- und Norddeutschland ein, wo er bis heute gebräuchlich ist.
In Süddeutschland der Schweiz und Österreich setzte sich der Name „Marille“ durch, der wahrscheinlich auf das ital. „armellino“ und ähnliche Bezeichnungen geht. Diese entstanden wieder aus lat. „armeniaca“, aus Armenien stammend. Aus den Bezeichnungen „Amarellen“, „Morellen“ wurde das Wort „Marille“.

Wie gedeihen sie?

Bezugnehmend nach ihrer Herkunft ist die Marille eine asiatische Schönheit mit all ihren Ansprüchen: Wie sie eben in der malerischen Wachau vorkommen. Viele Sonnenstunden und wenig Regen während der Blüte (von ende März bis anfang April), und der Genussreife ist von ende Juni bis Anfang August machen den Standort perfekt.

Lage und Klima:
Die Wachau liegt am südlichen Rand des Waldviertels(Böhmische Masse) und am nördlichen Teil des Dunkelsteinerwaldes, und stellt sich als enges Donautal mit steil abfallenden Hängen dar an denen auf den bekannten Steinterrassen Weinbau betrieben wird.Der mächtige Fluss, die Donau, beherrscht die Talsohle. Durchschnittliche Jahrestemperatur: 8,8 ° C, Durchschnittlicher Jahresniederschlag: 470 mm

Aroma und Geschmack:
Dass zwischen Tag- und Nachttemperatur, vor allem zur Reife hin, große Unterschiede bestehen ist dem einzigartigen Geschmack besonders zuträglich. Die einzigartige, unvergleichliche und weithin bekannte Aroma- und Geschmacksausbildung der Wachauer Marille entsteht durch das Zusammentreffen mehrer Klimate (Panonisches und atlantisches Klima, den Waldviertler Einfluss sowie die unmittelbare Nähe der Donau).

EU-Schutz für die Wachauer Marille:
Wer Marillen aus verschiedenen Regionen probiert, erkennt die Besonderheit der Wachauer Marille sofort: Sie sieht nicht nur hübsch prall aus, sondern schmeckt auch ausnehmend süß, saftig und ausgeprägt nach Marille. Deshalb wurde sie 1996 auch unter dem Namen „Wachauer Marille“ EU-geschützt.

Was wird aus ihnen?

Aus Marillen wird gerne Marmelade, Nektar, Likör sowie Marillenschnaps hergestellt. Auch werden Marillen in derart zubereiteter Form gerne in Desserts und Kuchen (als Belag oder Füllung) verarbeitet. In Österreich besonders bekannt sind die Marillenknödel. Auch in Palatschinken, Sacher Torte und Faschingskrapfen ist Marillenmarmelade ein wahrer Genuss.
Getrocknet haben Marillen einen bis fünfmal so hohen Gehalt an Nährstoffen im Vergleich zu frischen Früchten.
Auch die Samen der Marillen werden ihres Marzipan-Aromas (Bittermandel) wegen, gerne zum Würzen von Amaretto oder Persipan verwendet. Hierfür werden aber nur geringe Dosen gebraucht, da Marillenkerne Blausäure abspaltendes Amygdalin enthalten und deshalb giftig sind. Geröstet, dadurch verflüchtigt sich die Blausäure, sind sie auch als Knabberkerne genießbar.
Auch die Schönheitsindustrie hat sich die wertvollen Inhaltstoffe zunutze gemacht und Aprikosenextrakte in Cremes, Lotion und Shampoos verarbeitet. Die Marille macht ihrem Mythos auch heute noch alle Ehre – und hält (zumeist) was sie verspricht.

Schon drei Marillen (frisch oder getrocknet) machen fit für den Tag.